Sistema educativo

PROCEDI ist Schule!

 

Das dreigliedrige Bildungssystem in Guatemala:    

Die Grundschule (Escuela Primaria)
Dauer: sechs Jahre        

50% der Bildungsausgaben fliessen in die Grundschule [1]. Trotz der allgemeinen Schulpflicht, liegt die Einschulungsrate bei nur 69 % [2]. Nur wenige Kinder beenden die Grundschule, sodass der durschnittliche Schulbesuch eines Guatemalteken bei etwa fünf Jahren liegt [3], in maginalen Gegenden liegt der Wert wesentlich tiefer. Gründe hierfür sind, dass viele Kinder mit für den Lebensunterhalt der Familie aufkommen und so schon früh arbeiten gehen müssen, sowie dass der Besuch der Schule jede Menge Geld kostet, welches viele Familien nicht zur Verfügung steht (z.B. Ausgaben  für Einschreibegebühren, Schuluniformen, Bücher, Material, Anfahrtsweg, usw.). Nur die Hälfte der Kinder schafft den Grundschulabschluss und selbst dann können die meisten nicht ausreichend schreiben, lesen und rechnen [4].

Da PROCEDI die schlechte Situation des Bildungssystems erkannt hat und der Staat nur wenig Geld in die öffentlichen Schulen investiert, macht es sich PROCEDI zur Pflicht, diese Aufgabe zu übernehmen und ist  seit 2006 auch Grundschule (Escuela Primaria). Regelmäßig führen die Lehrer Test mit den Kindern durch, um den Wissensstand zu überprüfen. Zusätzlich finden in den Monaten November und Dezember Ferienkurse mit Anwesenheitspflicht statt. Erfolge sieht man am Ende immer bei der Clausura, der Abschlussfeier der Grundschule. So hatte PROCEDI 2011 9 Grundschulabsolventen!
Im Jahr 2011 haben von 73 Grundschulkindern 4 das Klassenziel nicht erreicht und müssen das kommende Jahr wiederholen. Gründe hierfür liegen im Elternhaus, Tod der Angehörigen, Schulabbruch, mangelndes Interesse an einer Schulausbildung, Wegzug der Kinder aus dem Viertel, etc..

Weiterfuehrende Schule (Escuela secundaria/Basico)
Dauer: drei Jahre

Weniger als 20% der Grundschulabsolventen besuchen eine weiterführende Schule [5]. Die meisten guten weiterführenden Schulen sind „Privatschulen“ und dadurch für viele Familien unerschwinglich.  PROCEDI arbeitet aus diesem Grund eng mit einer privaten evangelischen Schule zusammen. Die Schule ist bereit, die Hälfte der Schulkosten zu übernehmen, sodass der Schulbesuch PROCEDI nur noch 10,-€ im Monat kostet anstatt 20,-€.
PROCEDI unterstützt insgesamt 43 Jugendliche an elf verschiedenen weiterführenden Schulen.

Anfang November müssen die Schüler jedes Jahr auf ein Neues in den Schulen eingeschrieben werden (hier wird eine Einschreibungsgebühr fällig). Zusätzlich fallen jeden Monat Schulgebühren an, sowie Kosten für Bücher (alle Bücher sind Arbeitsbücher und können daher nur ein Jahr benutzt werden), Schulmaterial und Uniformen. Einmal im Jahr (Ende Dezember oder Anfang Januar) werden alle Utensilien eingekauft und verteilt. Zudem besucht die Projektleitung einmal im Monat die Schulen für ein Lehrergespräch und falls nötig folgen darauf Eltern- oder/und Schülergespräche.

Diversificado oder Carrera
Dauer: zwei oder drei Jahre

Es gibt zwei verschiedene Formen der weiterführenden Schulen nach den Basicos. Entweder zwei Jahre, um das Abitur zu erlangen (Diversificado) oder einen dreijährigen dualen Bildungsgang, welcher das Abitur sowie einen Ausbildungsabschluss beinhaltet (Carrera). Hier gibt es mehr als 142 verschiedene Ausbildungsgaenge [6].

PROCEDI unterstützt vier Schüler welche die Carrera machen. Einer der ersten erfolgreichen Absolventen war im Jahr 2007 Pedro. Er schloss mit dem Abitur und der Ausbildung zum Kfz- Mechaniker ab. Inzwischen haben über 20 Jugendliche erfolgreich ihre Ausbildung und ihr Abitur absolviert. 

Universität:

Nur 15 % der Hochschulabsolventen besuchen die Universität [7]. Zurzeit sind 120.000 Studenten in ganz Guatemala immatrikuliert [8]. Es herrscht eine hohe Absprungsquote vor, welche vor allem auf die unzureichende Grundbildung während der Schulzeit zurückzuführen ist [9]. Die Studienzeit ist in Guatemala eine recht lange, die Gründe hierfür liegen vor allem auf der Lehrkörperseite [9]. Die Professoren weisen häufig mangelnde Qualifikationen auf [10]. Zu dem erhalten sie nur niedrige Gehälter und nur zehn Prozent der Professoren haben eine Festanstellung an der Universität [11]. 

Die guatemaltekische Gesellschaft kann sich nur durch bessere Bildungsstandards friedlich entwickeln und an der Globalisierung teilhaben. Eine Mindestforderung vieler Organisationen lautet: „Lesen und Schreiben für alle“, denn Guatemala weist die höchste Analphabetenquote Lateinamerikas auf (ca. 31 % der Guatemalteken sind Analphabeten) [12]. Bei auf dem Land lebenden Indígena- Frauen liegt die Quote sogar bei ca. 80 % und selbst in der Hauptstadt können rund 15 % der Einwohner weder Lesen noch Schreiben [13]. Die Staatsausgaben für Bildung liegen gerade mal bei zwei Prozent des BIP [14]. Zu dem sind laut dem Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) die meisten Lehrer schlecht ausgebildet und unterbezahlt (ca. 150 Euro im Monat). Ein weiter angeführter Punkt ist, dass die Lehrpläne und -methoden veraltet und nicht auf dem neusten Stand sind. Zudem seien die meisten gestellten Aufgaben und Hausaufgaben nur Kopierarbeiten, wodurch die Schüler keine Förderung erhielten. Ein weiteres Problem ist, dass die Lehrer schlecht ausgebildet sind, es an Unterrichtsmaterialien fehlt, die Klassen überfüllt sind und die Kinder oft mit Hunger im Unterricht sitzen.

Das Ganze ist ein Teufelskreis und gerade den versucht PROCEDI, als Vor- und Grundschule und durch ein gutes Ausbildungsangebot, zu durchbrechen. Im Jahr 2012 haben sich drei Jugendliche von PROCEDI an der öffentlichen Universität San Carlos ein geschrieben.

Quellenangabe:
[1] – [14] Stefan Loose Travel Handbuecher, Frank Herrmann, Guatemala (2. Auflage, Januar 2006)

Kontakt

Marina Kallis
marina@procedi.de

Lotte Rendel
lotte@procedi.de

Markus Gränz
markus@procedi.de